Artikel im Sommer 2001 in der Zeitschrift "Perspektiven"
Die Zeitschrift für deutsch-skandinavischen Austausch

Siegfried Bach

Acht Monate norwegische Kunst und Kultur in Flensburg

Studenten der Universität Flensburg als Kulturmanager

Das Studium ist der geschützte Lern- und Experimentierort, der insbesondere an kleineren Hochschulen sonst schwer zu findende Möglichkeiten zum Einblick in die Praxis bietet. Eine in Flensburg zeitweise angebotene Vorlesung Kulturmanagement und das daraus entstandene KULT Aktionsforum für Kulturmanagement ist ein Beispiel hierfür: Studenten der Universität Flensburg präsentierten Norwegische Kunst und Kultur mit Teilnehmern aus Südnorwegen und von den Lofoten. Innerhalb von 8 Monaten fanden 4 Ausstellungen im Wahrzeichen der Stadt, dem Nordertor, sowie mehrere Musikveranstaltungen statt. Finanziert und möglich gemacht wurden diese Veranstaltungen durch gesammelte Sponsorenmittel und Zuschüsse von öffentlichen Einrichtungen.

Der Anfang

Den Anstoß für das KULT-Aktionsforum gab die Veranstaltung Kulturmanagement. Diese Vorlesung wurde erstmals im Semester 97/98 angeboten. Im Rahmen der ersten Veranstaltung ergab sich im Zusammenhang mit der Fertigstellung der neuen Zentralen Hochschulbibliothek (ZHB) bei der Flensburger Hochschulen eine erste praxisorientierte Planungsaufgabe: Ein Projektentwurf für die Planung und Finanzierung einer Galerie auf Basis von Sponsorenmitteln im großen und bis dahin ungenutzten Hauptraum im 1.OG der ZHB. Eine interessierte Gruppe von 5 Studenten machte sich unter der Leitung des Dozenten Martin Witt an die Realisierung des Projektes. Unter dem Titel "Galerie Am Sandberg", eröffnete die Gruppe schließlich die erste Ausstellung am 18. Juni 1998 mit zwei Flensburger Künstlern. Der Schwerpunkt dieser Ausstellung lag auf regionaler Kunst.

Angeregt durch Presseaktivitäten und weitere Kontakte zu Kulturschaffenden der Stadt Flensburg wurde das Science Center Phänomenta auf dieses Projekt aufmerksam. Die Phänomenta hat das benachbarte Nordertor, das Wahrzeichen der Stadt, seit mehreren Jahren angemietet, es aber bis dahin nur 1-2 mal im Jahr genutzt. Die Projektgruppe sollte Konzeptideen für eine Belebung und kulturelle Nutzung dieses denkmalgeschützten und letzten vorhandenen Tores der Stadt erstellen.

Es wurde ein Konzept entworfen, welches sich in Bezug auf die Symbolik und die Historie des Nordertores, den Arbeitstitel "Das Tor zum Norden" gab. Im Wahrzeichen der auch einmal unter dänischer Hoheit gestandenen Fördestadt sollte fortan nordische Kunst eine Heimstatt finden

Der Schwerpunkt Norwegen

Eine der treibenden Kräfte für die Galerie Am Sandberg und Hauptverantwortlicher für die Umsetzung des Konzeptes im Nordertor war der Autor dieses Artikels, Siegfried Bach.

Da er sich für die Dauer eines Auslandssemesters in Kristiansand aufhielt, lag es nahe, als ersten Schwerpunkt Norwegen zu wählen.

Im Laufe des Juli 1997 wurden die notwendigen Kontakte für das Projekt im Nordertor geknüpft und schließlich mit Beginn des Auslandssemesters im August 1998 an der Høgskolen in Agder weitergehend verfolgt. Es wurden Verbindungen innerhalb der dortigen Hochschule aus dem Fachbereich Kunst genutzt, um die notwendigen Personenkreise und Künstler kennenzulernen und einzubinden.

Weitergehende Kontakte über den Kulturreferenten der Deutschen Botschaft in Oslo, regionale Museen und Künstlervereinigungen führten schließlich zu einem vollständigen Jahresprogramm, welches im Rahmen der Folgeveranstaltung Kulturmanagement III im Oktober 1998 unter dem Namen "Galerie Norderforum" vorgestellt wurde. Nach dem Ausscheiden von Dr.Martin Witt, einem der Hauptinitiatoren, aus dem Universitätsbereich im April 1999 ging die Gesamtleitung des Projektes auf Siegfried Bach über, der es seitdem eigenverantwortlich weiterführte..

Norwegische Kunst und Kultur

Am 23. April 1999 fand schließlich die große Eröffnung der ersten Ausstellung im Nordertor mit Werken des Malers Kjell Nupen statt. Eröffnungsredner waren der Staatssekretär im Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Schleswig Holstein, Herr Ralf Stegner, der norwegische Generalkonsul aus Hamburg, Herr Nils Olav Stava, der Künstler selbst sowie Vertreter des Rektorates der Universität und der Phänomenta. Über 350 Gäste kamen zu der Vernissage.

Im Sommer fand die Ausstellung "Sehen und Erleben mit Arbeiten des Künstlers Arve Rønning statt Sie war speziell für Kinder konzipiert, zahlreiche Naturmaterialien vor allem Holz waren verwendet worden Ergänzt wurde die Ausstellung durch kindgerechte Lichtexperimente und erlebbare Farbenphänomene der Phänomenta.

Im Herbst folgte eine Ausstellung von zwei Künstlerinnen aus Südnorwegen. Barbro Raen Thomassen, die zahlreiche Kirchen in Norwegen ausgeschmückt hat, zeigte Zeichnungen und Sidsel Hanum präsentierte einige ihrer Skulpturen.

Den krönenden Abschluss des Ausstellungsjahres bildete eine Ausstellung von drei Künstlern von den Lofoten: Odd Helmersen (*1922, Maler), Karl Johansen (*1934, Fotograf) und Hans Gjertsen (*1917, Kunstschmied – Träger der Königlichen Verdienstmedaille für Kunst und Kultur des Landes Norwegen). Zum Aufbau und zur Eröffnung der Ausstellung reisten alle drei Künstler an.

Die Bedeutung der Ausstellung wurde durch die Anwesenheit des Präsidenten des schleswig-holsteinischen Landtages, Herrn Heinz Werner Arens, und der Vizekonsulin des königlich-norwegischen Generalkonsulates in Hamburg, Frau Dahl, unterstrichen.

Außer den genannten Ausstellungen wurden weitere Veranstaltungen zum Themenschwerpunkt Norwegen organisiert:

- Nach einer Gastvorlesung am 28. Mai 1999 zum Thema "Jazz and Leadership" durch Harald Knudsen vom Institut für Ökonomie der Høgskolen in Agder folgte ein abendliches Konzert mit seiner Jazzgruppe Rabbersvigen Jazzforsamling in der Phänomenta.

- In den Bushallen der Verkehrsbetriebe der Stadtwerke Flensburg fand im Sommer ein deutsch-norwegisches Orchesterkonzert mit dem Mozart Orchester Münster und der Agder Orkesterforening mit insgesamt 50 Musikern statt.

- Zu Beginn des Jahres 2000 präsentierte schließlich der Fotograf und Honorarkonsul der Bundesrepublik Deutschland auf den Lofoten, Karl Johansen, seine bis dahin im Nordertor ausgestellten Fotografien in Form eines Bilderabends in der Aula der Universität. Abgerundet wurde der Abend durch ein von ihm nach lofotischem Rezept zubereitetes Dorschmenü.

 

Die Finanzierung

Neben öffentlichen Fördermitteln wurden für die Aktivitäten des KULT Aktionsforums von den Studenten eine Reihe regionaler und überregionaler Förderer von Kunst- und Kulturaktivitäten geworben, die die Ausstellungen und Veranstaltungen mit Hilfe von Finanz- und Sachspenden ermöglichten. Der Galeriebetrieb im Nordertor wurde nur durch die ehrenamtliche Arbeit der Studierenden und den selbst organisierten Transport der Exponate mit gesponserten Fahrzeugen möglich gemacht.

Das Ende

Acht Monate wurde durch die Aktivitäten der Studenten ein Hauch norwegischer Kultur in den Norden der Republik gebracht, der schätzungsweise 3000 Menschen auf die eine oder andere Weise erreichte.

Leider war eine Fortführung der Organisation des Galeriebetriebes im Nordertor mit neuen Schwerpunktländern im Jahr 2000 nicht mehr möglich. Nach und nach mussten die gesamten Aktivitäten des KULT Aktionsforums eingestellt werden. Fehlende personelle und finanzielle Unterstützung von Seiten des neuen Institutsleiters und noch nicht entscheidungsbefugte neue Lehrstuhlinhaber waren das endgültige Aus für das Studentenprojekt.

 

Die Galerie am Sandberg wurde seit dem Beginn der Ausstellungsaktivitäten durch das KULT Aktionsforum unter diesem Titel auch für Ausstellungen von Studierenden und anderen Gruppen genutzt. Dieses Angebot besteht weiterhin und wird kontinuierlich genutzt.

Wenn auch nicht alle Ideen weitergeführt werden konnten, so haben Aktivitäten des KULT Aktionsforum in Verbindung mit den Ausstellungen doch einige Früchte getragen und den Studenten wertvolle Erkenntnisse im Bereich Kulturmanagement vermittelt.


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